Team-Gespräch – 25 Magazine: Issue 4

Team-Gespräch – 25 Magazine: Issue 4

DDie World Barista Championships (WBC) in Seoul im letzten November waren sehr spannend für mich - nicht nur, weil ich als sensorische Richterin beteiligt war, sondern auch weil ich der Evolution Group angehöre. Dabei handelt es sich um Kaffee-Professionelle, die es sich zum Ziel gesetzt haben, die weitere Entwicklung und strategische Evolution der Meisterschaften zu leiten. Der Team-Wettbewerb war eines der Elemente, der aus der Evolution Group entstammte, und 2017 war das erste Jahr, in der ein Wettbewerber einen Gaststart im Halbfinale der Meisterschaft gewinnen konnte.

Bei der World Barista Championship habe es eine spannende Neuentwicklung: den Team-Wettbewerb. CERIANNE BURY unterhält sich mit den Mitgliedern von Team Tamper, das 2017 siegreich aus dem Wettbewerb hervorhing. Dabei erfährt sie, wie der Wettbewerb den Mitgliedern dabei half, sich als Baristas weiterzuentwickeln.

Natürlich geht es bei der WBC darum, einen Barista, einen Botschafter zu finden. Zum Gewinnen ist jedoch eine Teamleistung erforderlich, ebenso wie in der Kaffeebranche insgesamt. So viele Hände und so viele Partner kommen zusammen, damit eine Tasse Kaffee entstehen kann, von den Farmern bis zu den Baristas und noch weiter. Der Team-Wettbewerb wurde 2016 ins Leben gerufen, um diese Partnerschaft und das Element der Freundschaft zu betonen, welche in der Kaffeeszene sofort ins Auge fallen.

Wie schafft der Team-Wettbewerb dies also? Jede am Wettbewerb teilnehmende Nation wird je nach bisherigen Leistungsdaten in ein Team gruppiert. Dabei werden Länder mit einer guten Erfolgsbilanz mit Ländern vereint, die historisch gesehen weniger gut abgeschnitten haben. Das Team hat keinen Einfluss auf die Einzelergebnisse auf der WBC. Stattdessen tragen die Einzelleistungen zur Gesamtwertung des Teams bei. Am Ende der ersten Runde wird das siegreiche Team aus den durchschnittlichen Wertungen der einzelnen Teammitglieder bewertet.

Außerdem wird jedem Team eine Schicht an der Team-Bar zugeteilt. Hier erarbeiten sie gemeinsam eine Getränkekarte, entscheiden, welche Geräte zu verwenden sind und wie sie ihre Service strukturieren möchten. Als ich Martin Shabaya, dem Barista-Meister aus Kenia fragte, ob ihm die Arbeit an der Team Bar Spaß gemacht hatte, war die Reaktion eindeutig: „Und ob! Aus der Zusammenarbeit entsteht auch viel Unterstützung. Ich habe viel von guten Baristas wie Ben Put aus Kanada über das langsame Brühen und Lavinia Toma aus Rumänien über die Espresso-Extraktion gelernt.

Jeremy Zhang, Chinas Barista-Meister stimmt zu. „Wir hatten viel Spaß mit Kaffeesorten, die sich von den Wettbewerbskaffees unterschieden, und wir konnten unterschiedliche Methoden untereinander austauschen.“ Als weiteren Bonus haben Besucher der WBC die Gelegenheit, an der Team Bar einen Kaffee bei ihrem nationalen Lieblingsmeister zu bestellen. Damit haben diese Star-Baristas die Möglichkeit, ihre Bar-Künste vorzustellen.

Die Teams werden bereits vor dem Wettbewerb in Kontakt gebracht. Sie können sich also bereits verknüpfen, die Pläne für das Team Bar-Element absprechen, sich Tipps holen, Wissen und Geschichten austauschen und das Lampenfieber vor der Meisterschaft mit Wettbewerber besprechen, die das Gleiche durchleben. Und daraus kann viel Wert geschöpft werden. „Da wir das Team lange vor dem Wettbewerb gegründet hatten, konnten wir viel einfacher am gleichen Tisch zusammenarbeiten. Obwohl der Wettbewerb einzig und allein von der Leistung eines einzelnen Baristas abhängt, konnten die Teammitglieder doch einigen Stress lindern“, so Jeremy Zhang. Francesco Masciullo aus Italien ist ganz seiner Meinung. „Bei der Team Bar geht es darum, guten Kaffee zu servieren und mit Leuten darüber zu reden, was man im Leben am liebsten macht: Kaffee servieren. Auf gewisse Weise entspannt das. Im Unterbewusstsein bereitet man sich somit auf den WBC-Wettkampf vor.“

Der Wettbewerb entwickelt sich weiter

Für viele Teilnehmer geht es bei Wettbewerb nicht nur um den Sieg. Häufig ist auch das Lernen wichtig – nicht nur voneinander, sondern auch aus der Resonanz, die man vom Publikum und den Preisrichtern erhält. Feedback und Notizen in den Wertungsbögen helfen Baristas dabei, in der WBC und anderen Wettbewerben in der Zukunft Fortschritte zu machen. Daher hielt die Evolution Group es für angemessen, den Teilnehmer des siegreichen Teams eine Lernmöglichkeit zu bieten. Im zweiten Jahr des Team-Wettbewerbs haben wir dem Team mit der höchsten Punktezahl nicht nur ein Ticket zum All Star Event verliehen. Ein Teammitglied erhält außerdem ein Ticket für das Halbfinale der WBC. Damit hat ein hervorragender Wettbewerber die Möglichkeit, seine Künste erneut vorzustellen, gegen die besten Baristas der Welt anzutreten und noch mehr wichtiges Feedback zu erhalten.  Dieses zusätzliche Feedback ist nicht nur für den Wettbewerber wichtig, sondern auch für die tausenden Baristas und anderen Kaffee-Professionellen, die die Live-Streams online verfolgen, und ebenfalls in Wettbewerben antreten und sich in den jeweiligen Ländern verbessern möchten.

Hier standen wir also in Seoul. An der Seite. Von einem Bein aufs andere tretend. Mit rasenden Herzen. Unsere Augen huschten über die Gesichter um uns herum. Alle Nationalmeister, die an der WBC antreten, stehen Seite an Seite, Schulter an Schulter, rund um die Arena. Wartend. Nervös. Versuchen, die Ruhe zu bewahren. Wer würde den allerersten Gaststart ins Halbfinale gewinnen? Dann rief der Moderator den Namen aus: Martin Shabaya, der Nationalmeister aus Kenia. Die gesamte Menge, vom Publikum bis zu den Preisrichtern, die Freiwilligen ebenso wie alle besten Baristas aus der ganzen Welt brachen in Begeisterung aus: das erste afrikanische Land, das im Halbfinale vertreten sein würde!

Die Mitglieder des siegreichen Team Tamper versammeln sich um Martin und gratulieren ihm. Für den Rest des Abends strahlt er vor Freude. Sie alle würden am nächsten Tag im Wettkampf antreten. Ihre Künste erneut der Welt vorstellen und eine Chance erhalten, einen Schritt näher ans Finale zu rücken. Martin weiß seine Teamkameraden zu schätzen:

„Teamwork fördert das Selbstvertrauen. Das hat mir während meiner Vorstellung auf der Bühne sehr geholfen, besonders beim Halbfinale. Mein Team hat mir sehr bereitwillig hinter den Kulissen und auch in der Arena geholfen. Das gab mir ein echtes Zugehörigkeitsgefühl. Das Spiel selbst war für mich größer als der Sieg, denn als ich Seoul verließ, fühlte ich mich wie ein Champion.

 

Wie sieht also die Zukunft für den Teamwettbewerb aus? Für Martin: „Talent gewinnt Spiele, aber Teamarbeit gewinnt Meisterschaften. Ohne diese brillante, umwerfende Idee wäre ich nicht da, wo ich heute bin. Der Teamaspekt hat allen Baristas auf der Welt eine tolle, bisher noch nie dagewesene Möglichkeit eröffnet. Ich kann es immer noch kaum glauben, dass ich den Gaststart gewonnen habe! Ich fühle mich sehr privilegiert, als erster den Teamaspekt nutzen zu können. Seite an Seite mit den anderen Meistern im Halbfinale zu sein, war unvergesslich. Es geht einfach um Kaffee und die Leidenschaft vereint mit Intelligenz, die den Unterschied macht. Es gibt keine Grenzen! Ich glaube, auf der World Barista Championship wird das die nächste große Sache. Es hat mehr Möglichkeiten geschaffen, und wird dies auch weiterhin tun.“

Genau diese Möglichkeiten bilden den Kern der Team-Wettbewerbe. Sie geben nationalen Meistern eine weitere Möglichkeit, sich dem Publikum vorzustellen, sie den Verbrauchern näher zu bringen, sie dienen als informelle Bildungsplattform um Wissensaustausch und sie ermöglichen es diesen tollen Baristas, mehr Erfahrungen mit nach Hause zu nehmen, für sich selbst und alle Leute in ihrem Kaffeenetzwerk. Und wenn wir das im Auge behalten, werden wir dem Team-Wettkampf den Weg bereiten.

CERIANNE BURY überwacht bei Trabocca die Qualität. Sie ist eine lizenzierte Q-Graderin, internationale sensorische Richterin auf World Coffee Events und ein Mitglied der World Barista Championship Evolution Group.

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